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Familie Engelmann in Bolivien

Angekommen

Ihr Lieben,

heute schreibe ich euch unseren ersten Newsletter aus Bolivien. Wir sind jetzt schon über vier Wochen hier und haben uns schon einigermaßen eingelebt. Aber am besten alles mal von vorne. 

Gott hat durch viele große und kleine Wunder eine Tür geöffnet, durch die es uns möglich ist, fünf Jahre als Missionare in Bolivien unter den Mennoniten zu dienen.

Am 9. Januar flogen wir von Deutschland aus los und waren für die nächsten 24 Stunden als Familie unterwegs. Bei unserem ersten Stopp in Madrid bekamen wir erst einmal einen Schock. Wir mussten dort am Schalter der Fluglinie unsere Tickets für die nächsten beiden Flüge abholen und dort wurde uns gesagt, dass meine Tickets storniert wurden. Das war für uns alle natürlich ein Rätsel. Wir baten Gott um Hilfe. Sie schickten uns dann zum Hauptschalter der Fluggesellschaft und dort war im Computer alles wieder in Ordnung. Einige Zeit später hielten wir dann die ersehnten Tickets in unseren Händen.

Der Rest der Reise verlief Gott sei Dank mit unseren Kindern trotz der langen Flugzeiten doch einigermaßen gut und wir landeten am frühen Morgen in Santa Cruz de la Sierra.

Dort wurden wir herzlich vom Leitungsteam der örtlichen Mission/Vereinigung empfangen und zum Campus der Kirchenverwaltung gefahren. Dort bereitete man für uns ein 1-Zimmer-Apartment vor, was für den Übergang für uns als Familie ausreichend ist. Von hier aus werden wir erst einmal die ganzen Formalitäten mit den Behörden in Angriff nehmen und dann erst später in unser eigentliches Einsatzgebiet um San Ramon herum ziehen, das 180km entfernt ist von Santa Cruz. Dort in San Ramon renoviert die Vereinigung gerade ein kleines Haus für uns und wir freuen uns schon, dort mal einziehen zu können. Wie das hier so ist, dauert alles ein „bisschen“ länger als erwartet. Und so sind wir schon gespannt, ob es diesen Monat noch klappt.

Am zweiten Tag nach unserer Ankunft wurden wir durch mehrere laute Knall-Geräusche geweckt. Zuerst hörte es sich an, als sei in Santa Cruz der Krieg ausgebrochen, aber wir bekamen schnell mit, dass es Feuerwerkskörper waren. Man hatte in der ganzen Stadt mit ihren über zwei Millionen Einwohnern zu einem Generalstreik ausgerufen. Grund waren die neuen Gesetze vom Präsidenten Evo Morales, die schon im Dezember 2017 verabschiedet wurden. Mit einem Gesetzeskatalog von über 600 neuen Gesetzen wollte die Regierung den Kommunismus im Land einführen. In einer Geschäftsstadt wie Santa Cruz kann man sich natürlich den Aufruhr annähernd vorstellen. Ein Gesetz davon sollte gegen den Menschenhandel vorgehen. Hierin wurde aber auch erwähnt, dass alle, die Menschen zu religiösen Veranstaltungen einladen würden, mit sieben bis zwölf Jahren Gefängnis bestraft werden könnten. So schnell kann Glaubensfreiheit vorbei sein. Und so gingen die Menschen auf die Straße, blockierten die Hauptverkehrsstraßen und protestierten lautstark. Viele Christen auf der ganzen Welt beteten für Bolivien. Vielen Dank auch für eure Gebete! Gott hat sie erhört! Vor ca. zwei Wochen hat der Präsident den ganzen Gesetzeskatalog wieder abgeschafft. Das war für uns schon mal ein intensiver Start hier in Bolivien. 

Nach nun mehr vier Wochen ist bei uns auch der Alltag hier eingekehrt. Die Temperaturen sind mit ca. 30 bis 35 Grad sehr sommerlich plus die hohe Luftfeuchtigkeit. Da kommt man sich öfters mal vor wie in einer Sauna. Man braucht nicht viel zu machen und man schwitzt schon aus allen Poren. Dieses Jahr regnet es auch sehr viel und es gab schon mehrere Überschwemmungen im Land. Wir wurden Gott sei Dank davon verschont. Das Essen ist hier natürlich sehr von Reis und Bohnen geprägt, aber man bekommt in der Stadt eigentlich alles, was einem schmeckt. Ungewöhnlich sind die hohen Lebensmittelpreise in den Supermärkten, obwohl die Menschen hier nicht viel verdienen. Da bekommt man manches in Deutschland günstiger. Nur auf dem Lokalmarkt sind Obst und Gemüse recht günstig. Das spricht hier für eine einfache Ernährung. 

Die Spanischkenntnisse meiner Frau sind hier sehr hilfreich und sie hat mich schon öfters übersetzt. Ich bin jeden Tag am Lernen und verstehe schon das ein oder andere. Man kommuniziert halt mit Händen und Füßen, wenn sonst nichts mehr geht.

Wir pendeln nun zwischen Santa Cruz und San Ramon, wo unsere deutschsprachigen Adventisten leben und sich zum Gottesdienst treffen. Meistens fahren wir am Freitag hin und kommen am Montag wieder zurück. Wir treffen uns dort am Freitagabend und Sabbatvormittag in der Gemeinde und besuchen die Geschwister zuhause, um sie näher kennenzulernen. Die kleine Gemeinde hat schon über Jahre dafür gebetet, dass ein Missionar aus Deutschland kommt. Jetzt sind sie sehr dankbar für unsere Anwesenheit und kümmern sich ganz liebevoll um uns.

In der Zwischenzeit haben wir Sonntagnachmittags mit ein bisschen Pfadfinderarbeit hier begonnen, was erstmal eher eine Kinderstunde ist. Dazu haben wir die adventistischen Kinder und ihre Freunde eingeladen. Von Anfang an wurde es von allen sehr positiv aufgenommen und seitdem kommen ca. sechs bis acht Gästekinder. Ihre Eltern bleiben oft die ganze Zeit während des Programms vor dem Haus und wir kommen danach gut mit ihnen ins Gespräch.

Letzte Woche waren wir auf einer Predigertagung der bolivianischen Pastoren und durften dort auch viele andere Kollegen kennenlernen. Wendy und die Kinder wurden auch dazu eingeladen. Dort erzählte uns ein älterer Prediger, dass 1980 schon einmal ein deutschsprachiger Pastor von der Generalkonferenz für die Mennonitenmission ins Feld geschickt wurde. Er fing an in Kanada, dann in Mexiko und Südamerika zu wirken, aber merkte sehr bald, dass die Mennoniten so zurückgezogen und abgeschottet leben, dass es ihm nicht möglich war, etwas zu bewegen. Heute, 37 Jahre später, hat Gott hier in Bolivien eine Tür geöffnet und wir sind gespannt, was ER noch alles mit uns hier vorhat.

Es gibt hier in jeglicher Hinsicht viele Herausforderungen innerhalb und außerhalb der Gemeinde. Aber wenn uns Gott hierhergeführt hat, dann wird er auch immer wieder einen Weg finden.

Natürlich vermissen wir euch und unsere Lieben in Deutschland. Es ist nicht immer leicht, so weit weg von der Heimat zu sein. Aber unser himmlischer Vater ermutigt uns immer wieder und zeigt uns Menschen, die Jesus so nötig brauchen. Deswegen sind wir hier.

Noah sagte heute zu meiner Frau: „Wir sollten zwölf Jahre in Bolivien bleiben, weil hier so wenige Menschen wirklich Jesus kennen!“

Das war seine Einschätzung, aber es stimmt, dass der wahre Jesus vielen Menschen hier verborgen ist. Unser Gebet ist, dass Gott noch viele Menschen hier anspricht und sie den wahren Erlöser und Heiland finden.

Somit grüßen wir euch alle ganz herzlich und bleiben mit euch verbunden.

Eure

Marc, Wendy, Noah und Caleb Engelmann

Unsere Gebetsanliegen:

  • Ein Hunger nach Gottes Wahrheit in den Mennonitenkolonien
  • Das der Heilige Geist hier machtvoll durch uns wirkt
  • Das unser Container mit all unseren Sachen gut durch den Zoll in Bolivien kommt
  • Das Gott uns hilft, ein zuverlässiges und günstiges Allradfahrzeug zu finden
  • Und ganz viel Weisheit von oben für die großen und kleinen Entscheidungen