Blog News

Familie Engelmann in Bolivien

Abenteuer Einwohnermeldeamt

Dass es knapp werden würde, war offensichtlich. Aber dass es dann so knapp und eng werden würde – das hatten wir nicht erwartet… Schon seit Monaten hatte unsere Familie sich auf unseren Heimaturlaub gefreut.

Wenn wir in Südamerika davon erzählen, werden wir oft gefragt: „Gefällt es euch hier in Bolivien?“ Als ob unsere Geschwister Angst hätten, dass wir nicht mehr zurückkommen. Wir haben uns hier schon gut eingelebt und haben Freundschaften geschlossen. Aber Heimat ist eben Heimat. Das schlägt nun mal alles!

Wir kommen hier schon zurecht, auch wenn unser Auto mal knapp vier Wochen in Reparatur ist. Nun haben wir es wieder, aber können es trotzdem nicht benutzen. Das liegt daran, dass unser Visum, unser Personalausweis und unser Führerschein zur gleichen Zeit abgelaufen sind. Und das bringt mich nun zum Thema …

Am Anfang hatten wir nur ein einjähriges Visum bekommen. Um das Visum zu erneuern, kann man mit dem Prozess aber erst vier Wochen vor Ablauf beginnen. Wenn man dann mal loslegt, rennt man von einem Gebäude zum nächsten: Führungszeugnis von der Polizei (ein halber Tag), ein ärztliches Attest (ein halber Tag), diverse beglaubigte Dokumente (ein Tag und viele Nerven) und so weiter ... Es gibt zwar einen Zettel, auf dem alle benötigten Dokumente aufgezählt werden, aber es ist der Regelfall, dass irgendwie doch immer noch etwas fehlt („falta un papel“). Das bedeutet, dass man vier Stunden im Einwohnermeldeamt wartet, um dann festzustellen, dass sie noch etwas wollen, was man natürlich gerade nicht in Händen hat. Und das kann von einem Beamten zum anderen ganz unterschiedlich ausfallen. Dann rennt man wieder von neuem los, um noch mehr Papier an Land zu ziehen. Und am Schluss gibt man seinen Reisepass mit den Dokumenten ab, damit dann dort das Visum eingeklebt wird. Für den 14. April (Sonntag) hatten wir unseren Flug nach Deutschland gebucht und ich hatte schon so eine Vorahnung, dass das etwas knapp werden würde. Schlussendlich war ich dann der Erste, bei dem alle Dokumente akzeptiert wurden, und sollte am 27. März wiederkommen, um mein Visum abzuholen. Naja, eigentlich noch genügend Zeit …

Ein paar Tage später klappte es dann auch bei Wendy und den Kindern und so warteten wir auf unser Abholdatum. Hier in Bolivien geht manches langsamer als erwartet. So hat mein Arbeitsvertrag von der Mision Oriente beim Arbeitsministerium zehn Monate gebraucht, bis er unterschrieben und gestempelt zurückkam. Daher ließ ich ein paar Tage bis Anfang April verstreichen, bis ich mich wieder auf den Weg zum Einwohnermeldeamt machte. Dort sagte man mir, dass das Visum für Caleb, unseren jüngsten Sohn, schon zum Abholen bereit war, aber für die anderen noch nicht. Die nächsten Tage gingen viel zu schnell vorbei und endlich konnten am 10. April Wendy und die Kinder ihr Visum und damit auch ihre Reisepässe wiederbekommen. Aber mein Pass war immer noch nicht bereit. Er sei noch in La Paz, wurde mir gesagt. Nun wurde es mit der Zeit wirklich eng. Ich wusste, dass ich in vier Tagen den Pass brauchte, um mit meiner Familie nach Deutschland zu fliegen. Und momentan hatte ich überhaupt kein Ausweisdokument. Mein Pass war in La Paz – und alles andere war abgelaufen! Wir stellten am gleichen Tag einen Eilantrag und erklärten meine Situation.

warten2

Foto: Warten auf die ersehnten Dokumente ...

Am darauffolgenden Tag (Donnerstag, 11. April) ging ich morgens wieder zum Amt in der Hoffnung, dass sich etwas bewegt hatte. Wir sprachen mit der Leiterin des Einwohnermeldeamtes. Sie meinte, der Pass könnte am Freitag kommen – oder auch am Montag! Das war mir viel zu unsicher. In solchen Situationen fragt man sich, warum es nicht mal glatt, bequem und einfach laufen kann. Warum immer gleich so kompliziert? Aber Gott sieht nicht nur den Moment, sondern er hat ein Ziel mit uns.

Ich bat Gott um Weisheit und überlegte, welche weiteren Optionen es gab. Ich rief einen bolivianischen Freund an, der mir die Privatnummer vom deutschen Konsul in Santa Cruz gab. Daraufhin war ich am Handy mit dem Konsul, der gerade irgendwo in der Botanik schlechten Empfang hatte. Er meinte, er könne da auch nichts tun und ich sollte mit der deutschen Botschaft in La Paz reden. Das brachte mich wieder ans Telefon, um der Beamtin in der deutschen Auslandsvertretung meinen Fall zu schildern. Sie meinte, dass sie nicht einfach meinen Pass aus der Ausländerbehörde herausnehmen könnte. „Was möchten Sie von uns?“, fragte sie. Ich antwortete: „Entweder sie könnten etwas Druck bei der Behörde machen oder mir einen Notfallausweis beschaffen.“ Am Ende des Gesprächs sagte sie, sie würde sich nochmal bei mir melden.

warten1

Foto: Beim Warten wird man schon mal müde!

Am Nachmittag gingen wir alle zur Behörde, wo man normalerweise den bolivianischen Personalausweis bekommt. Dort beantragten Wendy und die Kinder jeweils ihre Dokumente, weil ja bei ihnen schon alles fertig war. Mit viel Hoffnung reservierte ich mir auch schon mal ein Zeitfenster am Freitag um 15:20 Uhr. Denn man muss mit den Unterlagen des Einwohnermeldeamtes innerhalb von vier Wochen den Personalausweis beantragen, sonst muss man Strafe zahlen und die Dokumente werden ungültig. Und wir waren ja die nächsten Wochen in Deutschland. So musste noch alles am Freitag klappen! Darauf hoffte und dafür betete ich!

Am Nachmittag bekam ich dann den Rückruf von der deutschen Botschaft in La Paz. Sie gaben mir die private Handynummer vom Leiter der Ausländerbehörde in La Paz. Nachdem ich ihn angeschrieben hatte, sagte er mir, dass mein Reisepass am Freitag auf Mittag in Santa Cruz ankommen sollte. Das war ja schon mal ein Hoffnungsschimmer! Am Freitag war ich dann wieder auf dem Einwohnermeldeamt und dort sagte man mir, dass der Kurier mit den Unterlagen aus La Paz erst auf 15 Uhr ankommen würde. „Das wird sehr eng mit meinem Termin bei der anderen Behörde“, dachte ich mir. So war ich schon um 14 Uhr dort und wartete und wartete ... Die Zeit verging viel zu schnell und ich wartete immer noch auf den Kurier. Würde er noch rechtzeitig kommen, damit ich meinen Termin um 15:20 Uhr wahrnehmen konnte? Würde alles noch klappen? Oder würde wieder etwas anderes passieren als geplant?

Wendy war schon mal mit den Kindern nach San Ramon zurückgefahren und fragte alle fünf Minuten nach, ob der Reisepass schon angekommen war. Leider dauerte es dann doch bis 15:30 Uhr, bis ich endlich aufgerufen wurde, und dann auch endlich meinen Reisepass in Händen hielt! Gott sei Dank! Ich konnte mit meiner Familie nach Deutschland fliegen und mit Wendy ihren Geburtstag am Montag feiern! Aber was sollte ich jetzt mit der anderen Behörde machen? Sollte ich es noch versuchen? Ich machte mich trotzdem auf den Weg und kam 50 Minuten nach meinem Termin dort an. Als ich den Mann am Schalter wegen einem neuen Termin ansprach, sagte er mir, dass natürlich um diese Zeit alle Termine schon vergeben waren. Da ließ sich nichts mehr machen! Das hatte ich mir schon gedacht! Aber vielleicht hatte Gott ja noch einen Weg für mich…

Ich ging in den Bereich, wo die Anträge bearbeitet werden und sprach dort mit der zuständigen Leiterin. Die sagte mir dasselbe. Ich schilderte ihr noch einmal meine Situation. Sie schaute sich meine Unterlagen an, ob alles vollständig war. Dann sagte sie: „Es gibt noch eine Chance! Wenn jemand nicht zu seinem Termin kommen sollte, können sie seinen Platz haben!“ Und schon stand wieder eine Möglichkeit im Raum! Aber wie lange würde es dauern? Ein paar Minuten oder ein paar Stunden? Es war Freitag und ich musste dringend für die Freitaganfangsstunde wieder nach Hause. Ich bedankte mich und setzte mich in den Wartebereich. Ich war total angespannt. Wann würde ein Zeitfenster frei werden? Eine der Bearbeiterinnen rief eine Person auf. Ich dachte mir noch: „Wenn die Person jetzt nicht kommt, hätte ich noch nicht mal zehn Minuten warten müssen.“ Ich schaute mich um. Niemand bewegte sich. War das wirklich meine Chance?

Und tatsächlich: keiner kam. Ich bekam das Zeitfenster und konnte alles Einreichen. Plötzlich war alles an einem Tag geschafft! Ich schwebte auf Wolken der Dankbarkeit aus dem Gebäude heraus. Ich konnte es kaum glauben. Am Vortag hatte es noch so unmöglich ausgesehen. Aber nun hatte ich alles in Händen! Völlig anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Viel zu spannend. Aber ich hatte eine wichtige Lektion gelernt. Wenn man Gott vertraut, ist man nie verlassen! Wir haben einen lebendigen Gott! Wo wir keinen Weg mehr sehen, hat er noch 1.000 Wege, die wir gar nicht wahrnehmen! Gott ist groß!

Gebetsanliegen:

  • Ein Hunger nach Gottes Wahrheit in den Mennonitenkolonien
  • Dass der Heilige Geist hier machtvoll durch uns wirkt
  • Dass unser Container mit all unseren Sachen gut durch den Zoll in Bolivien kommt
  • Und ganz viel Weisheit von oben für die großen und kleinen Entscheidungen
  • Dass es Tina Giesbrecht immer besser geht! Gott hat sie geheilt!
  • Wendys Bruder Alan ist vor zwei Tagen verstorben. Gott möge seiner Familie ganz viel Trost und Hoffnung geben!
  • Und ganz viel Weisheit von oben für die großen und kleinen Entscheidungen