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Familie Engelmann in Bolivien

Musik liegt in der Luft

Es ist Vormittag hier in San Ramón. Die Sonne steht schon hoch am Himmel und lässt uns alle gut schwitzen. Der Winter ist vorbei und die heißen Temperaturen kommen wieder. Plötzlich klopft es an unserer Tür.

Wir machen auf – und vor uns steht ein junges mennonitisches Mädchen aus der Kolonie Las Palmas. Wir begrüßen sie und bitten sie herein. Wie kommt es, dass Mennoniten uns in letzter Zeit häufiger besuchen? Genau das möchte ich euch erzählen.

Schon seitdem wir hier sind, beten wir zu Gott, dass er uns zeigt, wie wir den Menschen hier ein Segen sein können. Wie können wir die Mennoniten erreichen, die so zurückgezogen leben und so abweisend sind, wenn man ihnen vom Glauben erzählt? Wie können wir mit ihnen Kontakt aufnehmen, auch wenn es uns nicht möglich ist in der Kolonie zu wohnen? Es scheint fast unmöglich ... Vielleicht denkt mancher von euch an sein eigenes Umfeld, in dem es auch sehr schwierig ist, mit den Menschen über Glaubensfragen zu sprechen. Aber Gott kann Türen auftun, wo wir noch nicht einmal Türen sehen. So ergeht es uns momentan hier in Bolivien.

Wie wir schon berichtet haben, fingen wir anfangs mit einem Programm für Kinder am Sonntagnachmittag an. Das wurde ganz gut besucht und wir konnten einige gute Freundschaften mit Kindern und Eltern aufbauen. Die Erwachsenen vertrauten uns ihre Kinder an, weil sie merkten, dass wir ein gutes Programm für ihre Kinder anboten. Darüber hinaus hatten wir schon länger die Absicht, mit Musikunterricht für Kinder der adventistischen Familien zu beginnen. Zum einen ist die musikalische Förderung hier an den öffentlichen Schulen sehr beschränkt und kaum vorhanden, zum anderen gibt es unter den Kindern viele Talente, die darauf warten, geweckt zu werden. Wir sprachen mit den Eltern und legten den Beginn für den Musikunterricht fest. Aber noch bevor wir überhaupt richtig gestartet hatten, meldeten sich plötzlich andere Eltern außerhalb der Gemeinde, die ebenfalls Interesse hatten, ihre Kinder musikalisch zu fördern. Besonderer Bedarf bestand in Blockflöte, Klavier und Gitarre. So eine Nachricht schien sich im kleinen San Ramón sehr schnell zu verbreiten. Wir hatten plötzlich Anfragen von Leuten, die wir noch nicht einmal vorher gesehen hatten. Wendy, die den meisten Unterricht schultert, versuchte die vielen Anfragen zeitlich unterzubringen. Da ist zum Beispiel ein ganz schüchternes Mädchen aus der Kolonie hier in der Nähe. Oder eine Frau, die mit ihrer Familie aus einer Kolonie im Süden ausgezogen und hierhergekommen ist und die alle ihre drei Kinder zu uns zum Unterricht schickt.

Foto: Wendy beim Musikunterricht

Insgesamt hat Wendy nun 21 Musikschüler, was sie schon sehr in Atem hält – zusätzlich zu der Arbeit im Haus und Noahs Heimschule. Aber sie ist sehr froh, dass Gott ihr einen Platz gezeigt hat, wo sie mit ihren musikalischen Gaben ein Segen sein kann. Die meisten Musikschüler kommen zu uns nach Hause, wo das Klavier der Gemeinde steht. Wer hätte das gedacht, dass wir mal eine Musikschule betreiben würden! Wir hatten das nie vor, aber Gott hat Türen geöffnet und nun gehen wir hindurch. Menschen kommen jetzt ganz freiwillig zu uns nach Hause, wo man auch zwischendurch mal Zeit für das eine oder andere Gespräch hat. Gott ist groß! Natürlich könnte Wendy dringend noch Hilfe im Unterrichten gebrauchen und ich helfe ihr, wo es geht. Aber vielleicht gibt es ja jemanden, den es interessiert, auch mal ein Jahr hier drüben mitzuhelfen, um Menschen zu unterrichten und ein Licht für sie zu sein. Wenn das der Fall ist, dann schreibe mich an und ich werde mich gerne mit weiteren Informationen zurückmelden.

Auch in der Gemeinde haben wir schon recht früh mit einem Chor begonnen, bei dem fast alle Gemeindeglieder dabei sind. Es macht ihnen viel Freude, mehrstimmig zu singen. So etwas kennen sie aus der Kolonie nicht, wo immer nur einstimmig gesungen wird. Was wir hier noch bräuchten, wären ein paar Noten mit einfachen, eingängigen Liedern für den Chor und Blockflötennoten mit geistlichen Melodien (Duo, Trio oder Quartett). An Musiknoten kommt hier nur sehr schwer ran.

Foto: Zum Gottesdienst spielen wir etwas vor mit unserer Blockflötengruppe der älteren Kinder.

Bei den meisten Musikbegeisterten stehen wir noch ganz am Anfang. Die wenigsten haben überhaupt annähernd etwas mit Musikunterricht am Hut gehabt. Es ist wie ein dürres Feld, das sich sehnlichst nach Regen sehnt. So ist es hier im Bereich der Musik, aber auch im geistlichen Leben! Der Liedschreiber David drückt es so aus: „Es dürstet meine Seele nach dir; mein Fleisch verlangt nach dir in einem trockenen und dürren Land, wo kein Wasser ist.“ (Psalm 63,1) Viele Menschen zeigen es nicht, aber sie sehnen sich nach mehr Erfüllung und Frieden im Leben. Was sie in der Kirche erleben, stillt diesen Durst nicht. Deshalb wollen wir aus unserem Zuhause ein „Center of Influence“ (Einflusszentrum) machen, um ihnen eine „höhere Bildung“ anzubieten.

Gott tut Türen auf! Ihr habt dafür gebetet – und es geschieht! Ich freue mich riesig! Wir sind zwar nicht unmusikalisch, aber ausgebildete Musiklehrer sind wir auch nicht. Wir geben Musikunterricht und sind selbst noch Lernende! Aber wir tun einfach das, was wir machen können. Und Gott segnet es! Eigentlich ein ganz einfaches Erfolgsrezept!

Foto: An diesem Sabbat hatten wir Besuch vom Prediger aus San Julian (ganz rechts im Bild). Er trägt sein Pfadfinderhemd, da an diesem Sabbat Weltpfadfindertag war.

Gebetsanliegen:

  • Ein Hunger nach Gottes Wahrheit in den Mennonitenkolonien
  • Dass der Heilige Geist hier machtvoll durch uns wirkt
  • Dass unsere Musikschüler offen sind für geistliche Gespräche
  • Dass unser Container mit all unseren Sachen gut durch den Zoll in Bolivien kommt
  • Und ganz viel Weisheit von oben für die großen und kleinen Entscheidungen