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Familie Engelmann in Bolivien

Erste Hilfe für das Bauprojekt

Der Winter ist hier in Bolivien eingezogen und das Wetter hat sich sehr abgekühlt, so dass wir unsere wenigen warmen Sachen ausgepackt haben, die wir in den Koffern mitgenommen haben.

Im Winter können die Temperaturen in unserem Teil Boliviens auch mal auf 5 Grad sinken, aber bis jetzt blieb es so bei 10 bis 15 Grad. Das ist gefühlt aber schon recht kühl, wenn man sich vorher an die heißen Temperaturen gewöhnt hat. Heizungen sind hier in den Häusern keine eingebaut, weil man sie zu wenig braucht. Da unsere Klimaanlage aber auch heizen kann, ist es gut auszuhalten. Ich muss sagen, dass ich die etwas kühleren Temperaturen schätze. Man schwitzt jetzt nicht mehr so.

Anfang Juli geht es für 3 Wochen zur Missionsausbildung nach Amerika. Dort bietet das Institut für Weltmission der Generalkonferenz einen Kurs an und wir sind der Intereuropäischen Division sehr dankbar, die uns diese einzigartige Chance ermöglicht hat. Wir sind schon gespannt, was wir lernen und welche anderen Missionare wir dort treffen werden. Die Ausbildung wird an der Andrews Universität in Michigan durchgeführt, was für mich persönlich auch schöne Erinnerungen mit sich bringt. Dort habe ich nicht nur zwei Jahre studiert, sondern auch meine liebe Frau kennengelernt. Also ein guter Ort zum Auftanken.

In den letzten Wochen haben wir schöne Erfahrungen gemacht, von denen wir euch gerne berichten wollen. Wir beten ja schon länger für ein günstiges Allradfahrzeug. In Santa Cruz war alles gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, aber jetzt, da wir in San Ramón wohnen, merken wir stärker die Notwendigkeit eines Transportmittels. So haben wir uns umgehört und im Internet nach brauchbaren Autos gesucht. Dabei haben wir zwei Toyotas gefunden, die uns gefallen haben. Toyota deswegen, weil die Qualität hier ganz gut ist und man sehr gut an Ersatzteile kommt. Die Preise von Gebrauchtautos sind hier durch hohe Importzölle von Neuwagen sehr überhöht. Mein Favorit war Baujahr 2006 und kostete immer noch 17.800 Dollar. Das ist aber noch verhältnismäßig günstig im Vergleich zu anderen Fahrzeugen. So riefen wir letzte Woche beim Besitzer an und machten für den nächsten Tag einen Termin aus. Im Internet sah ich dann auch, dass er auf 16.800 Dollar heruntergegangen war. Als wir uns das Auto ansahen, gefiel uns der gute Zustand des Fahrzeugs. Er wollte sogar noch mal heruntergehen auf 16.000 Dollar. Wow! Am nächsten Tag kam einer unserer adventistischen Geschwister nach Santa Cruz. Er ist Mechaniker und nahm das Auto nochmal genauer unter die Lupe. Er meinte: „Wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich das Auto für den Preis und Zustand sofort kaufen!“ Der Besitzer war Optiker und machte auf uns auch einen seriösen Eindruck. Das war ein klares Zeichen! So kauften wir das Auto. Alles in allem haben wir ganz stark Gottes Hand darin gesehen. Hier ist es nicht so einfach, ein gutes Auto zu finden. Häufig wird man übers Ohr gehauen. So sind wir jetzt dankbar, ein eigenes Fahrzeug zu haben, um die verschiedenen mennonitischen Kolonien anfahren zu können. Vielen Dank für eure Gebete! Sie kommen an!

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Foto: Vorher verlief der Transport so ...

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Foto: Jetzt haben wir unser eigenes Fahrzeug und sind endlich mobiler!

Eine andere tolle Erfahrung haben wir ganz frisch in den letzten Tagen gemacht. Es gab nämlich eine provinzweite Straßenblockade. Das ist das gern benutzte Mittel der Bevölkerung, um sich gegen die Willkür der Regierung zu wehren. So schüttet man einen großen Haufen Erde mitten auf die Hauptstraße und setzt sich buchstäblich mitten davor. Man geht hier auch sehr rabiat gegen Leute vor, die versuchen, die Blockade zu umgehen. Wenn jemand das wagt, werden kurzerhand die Reifen zerstochen. Die Auswirkungen sind verheerend: kilometerlange Schlangen von Lastwagen und Autos, die von der Blockade eiskalt überrascht wurden. Teilweise haben die Leute nur das dabei, was sie am Körper tragen und müssen so auf unbestimmte Zeit in ihren Fahrzeugen in der Hitze ausharren. Wir nutzten die Gelegenheit und verteilten an die wartenden Menschen Missionsbücher. Genug Zeit zum Lesen hatten sie ja. Unterwegs trafen wir auch einige Mennoniten und unterhielten uns mit ihnen. Wir boten ihnen unsere Hilfe an, falls sie etwas brauchen sollten. Unser Haus liegt ja nur 100 Meter von der Straßenblockade entfernt. Am Abend ging ich nochmal raus und fand ein Ehepaar, das schon seit den frühen Morgenstunden wartete. Sie waren gerne bereit, mit zu unserem Haus zu kommen. Zuerst wollten sie nichts essen, aber als sie dann das duftende Essen sahen, bedienten sie sich eifrig. Die Verständigung lief über ein Gemisch von Plautdietsch, Hochdeutsch und Spanisch. Nach einem guten Gespräch begleiteten wir sie noch zum Lastwagen, mit dem sie gekommen waren. Sie hatten 30 Tonnen Mais geladen und wollten ihn in Santa Cruz verkaufen. Beim LKW angekommen lernten wir das bolivianische Ehepaar kennen, denen der Lastwagen gehörte. Es stellte sich heraus, dass sie auch Christen waren. Ich lud alle ein, bei uns am nächsten Tag zu essen und zu duschen.

Den Tag darauf bewegte sich immer noch nichts. Am Abend ging ich nochmal kurz etwas einkaufen und traf eine andere mennonitische Familie mit einem kleinen Jungen. Sie waren hungrig und nahmen gerne das Angebot an, bei uns zu duschen. So nahm ich den Jungen bei der Hand, der gar nicht schüchtern war, und wir gingen zu uns nach Hause. Der Vater erzählte mir, dass er Lehrer in einer Kolonie nördlich von uns war. Als wir uns nett unterhalten hatten, kamen noch die vier anderen Leute vom Vorabend: das mennonitische Ehepaar mit dem bolivianischen Fahrer und seiner Frau. Als dann noch einige Geschwister aus der Gemeinde ankamen, war unser Haus gut gefüllt. Es half natürlich sehr, dass unsere Geschwister Plautdietsch können. Jakob, unser Gemeindeleiter, hatte ein intensives Glaubensgespräch mit dem LKW-Fahrer. Am Schluss sangen wir noch einige Lieder zusammen und tauschten unsere Nummern aus. Dann passierte noch etwas Interessantes: Das bolivianische Ehepaar wollte schon seit langem etwas Geld für ein christliches Projekt spenden. So beteten sie zu Gott, er möge ihnen doch zeigen, wem sie das Geld geben sollten. Als sie uns am Vorabend kennenlernten, bekamen sie sofort den Eindruck, dass wir gute Menschen sind, die Frieden ausstrahlen und anderen helfen wollen. Als sie dann noch von unserem Gemeindeund Schulprojekt hörten, war es klar für sie. Sie gaben unserem Gemeindeleiter die erste Spende für das Bauprojekt. Wie Gott Menschen und Wege führt! Großartig! In der Nacht endete die Blockade und alle konnten wieder weiterfahren.

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Foto: Unser Haus in San Ramon – zentral gelegen an der Hauptstraße (man hört jeden LKW), mit direktem Blick auf den Erdhügel der Straßenblockade.

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Foto: Das Ganze noch mal als Panoramaaufnahme. Man sieht rechts, wie sich der Stau die Straße hochzieht.

Die Bibel sagt, wenn der Heilige Geist kommt, „wird er der Welt die Augen auftun“ (Joh 16,8). Wenn wir mit geöffneten Augen durchs Leben gehen, gibt es genug Möglichkeiten, wie wir anderen zum Segen sein können.

Falls du auch den Eindruck hast, unser Bauprojekt zu unterstützen, gibt es genügend Gelegenheiten. Wir sind sehr dankbar für eure Gebete, die wir hier spüren. Zusätzlich könnt ihr über die Jahreswende 2018-19 selbst beim Bau mithelfen oder das Projekt finanziell unterstützen. Nähere Infos gibt es entweder bei uns oder bei der Baden-Württembergischen Vereinigung (s. Ausschreibung). Möge Gott noch mehr offene Augen für das weite Erntefeld schenken!

Liebe Grüße von uns und ein großer Dank von der Gemeinde San Ramón an den Unterstützerkreis in Deutschland!

Gebetsanliegen:

  • Ein Hunger nach Gottes Wahrheit in den Mennonitenkolonien
  • Das der Heilige Geist hier machtvoll durch uns wirkt
  • Das unser Container mit all unseren Sachen gut durch den Zoll in Bolivien kommt
  • Und ganz viel Weisheit von oben für die großen und kleinen Entscheidungen