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Familie Engelmann in Bolivien

Endlich ein eigenes Zuhause

Ihr Lieben,

ich sitze gerade im Kleinbus nach Santa Cruz. Die letzten Tage durften wir schon in unserem kleinen Haus in San Ramón wohnen. Das Pastorenhaus wurde von Grund auf renoviert; das Ganze hat nun ein halbes Jahr gedauert.

Bis jetzt konnten wir immer bei Geschwistern am Wochenende wohnen. Sie stellten uns ein Zimmer zur Verfügung und das war fürs Erste auch ausreichend. Langsam haben wir uns aber nach den eigenen vier Wänden gesehnt und so freuen wir uns jetzt umso mehr, dass wir nun etwas Eigenes haben. Die Wohnung besteht aus einem großen Raum mit Küche und Wohnzimmer, zwei Schlafzimmern und einem Gästezimmer, das ich als mein Büro nutze. Ihr seht: wir sind auf euren Besuch vorbereitet! =) Die Kinder freuen sich auch sehr, dass sie jetzt ihr eigenes Zimmer haben, in dem sie sich ausbreiten können. Dazu haben wir auch etwas Grundstück hinter dem Haus, wobei alles durch eine Mauer eingegrenzt ist. Das ist meiner Frau auch ganz wichtig, damit die Kinder gefahrlos draußen spielen können. Auf dem Grundstück wachsen einige Fruchtbäume, allerdings wurde in den letzten Jahren das Ganze hier gefühlt als Mülldeponie genutzt. Hier spart man sich die Müllabfuhr, in dem man seinen Müll im Garten verbrennt und dann zugräbt. Was ich beim Aufräumen schon alles gefunden habe...

Foto: Hier ist unser neu renoviertes Haus zu sehen, das wir in San Ramón von der Vereinigung nun mieten können.

Es gibt aber auch so manches, an das wir uns erst gewöhnen müssen. Neben unserem Grundstück ist eine Imbissbar, in der gefühlt von 22 bis 3 Uhr morgens Party gemacht wird mit lauter Musik. Da ist es manchmal eine Herausforderung einzuschlafen. Das Stadtwasser in den Leitungen wird aus dem lokalen Fluss gepumpt. Daher sieht das Wasser, das aus dem Wasserhahn kommt, eher aus wie Caffè Latte als das, was wir als Trinkwasser bezeichnen würden. Dafür liefert uns ein Bruder aus der Gemeinde sein aufgefangenes Regenwasser, das wir als sauberes Wasser nutzen können. Hier muss man eben improvisieren.

Da wir bis jetzt unter der Woche mehr in Santa Cruz gewohnt haben, konnten wir manche Besuche hier noch nicht so wirklich wahrnehmen. Das wollen wir jetzt stärker anpacken. Was wir nun auf jeden Fall brauchen, ist daher ein zuverlässiges Allradfahrzeug. Bisher konnten wir auf öffentliche Fahrzeuge in Santa Cruz zurückgreifen, aber hier auf dem Land ist das etwas schwieriger. Deshalb hoffen wir, in den nächsten ein bis zwei Wochen ein Auto zu kaufen, das unseren Mitteln entspricht. Hier in Bolivien sind leider die gebrauchten Autos im Vergleich zu Deutschland mindestens 10.000 Dollar teurer. Das hat mit den hohen Einfuhrzöllen und den komplizierten Regelungen zu tun. Somit war ich noch sehr vorsichtig, ein Auto zu kaufen. Zusätzlich hat es sich als äußerst schwierig herausgestellt, mein verbliebenes Dieselfahrzeug in Deutschland zu verkaufen. Schlechter Zeitpunkt! Aber Gott sei Dank konnten wir das Auto letzte Woche zu einem angemessenen Preis an eine nette baptistische Familie verkaufen. Somit hat Gott auch dieses Gebetsanliegen nach vier Monaten erhört!

Manche fragen uns, wie wir es mit Noah und der Schule machen. Er ist ja letzten Herbst noch in Deutschland eingeschult worden. Da die öffentlichen Schulen hier in San Ramón keinen so guten Ruf haben und der Unterricht auf Spanisch ist, wollen wir lieber auf unsere eigene adventistische Schule warten. So unterrichten wir ihn in der Zwischenzeit zu Hause. So eine Schule ohne Hausaufgaben hätte ich auch gerne damals gehabt!

Foto: Noah bei der Schularbeit :)

Wie manche von euch wissen, haben unsere Geschwister schon seit Jahren von eigenen Gottesdiensträumen geträumt. Es gab auch schon konkrete Pläne wegen des Grundstücks. Aber leider hat sich bis zu diesem Jahr nicht viel getan. Nun ist auch die Idee dazugekommen, die Gemeinde mit einer Grundschule zu verknüpfen. Somit könnten Gemeinde und Schule die gleichen Räumlichkeiten nutzen, was sich zeitlich ideal ergänzt. Wir haben in der Zwischenzeit schon mit der lokalen Architektin der Vereinigung über Baupläne gesprochen und warten nun auf die Ergebnisse. Wenn wir dann einen festen Bau- und Kostenplan haben, können wir konkret auf Sponsorensuche gehen. Das ist auch notwendig, denn die Geschwister vor Ort haben dafür nicht die nötigen Ressourcen; und auch die Vereinigung kann höchstens einen symbolischen Zuschuss geben. Um die Jahreswende herum (18. Dezember 2018 bis 3. Januar 2019) erwarten wir einen Bautrupp aus Deutschland, der uns mit Know-how aus der Heimat unterstützt. Falls jemand daran Interesse hat, habe ich mal die Ausschreibung dafür angehängt. Ideal wäre es, wenn wir zum bolivianischen Schuljahresbeginn Anfang Februar 2019 mit dem Unterricht beginnen könnten. Dazu sind wir momentan auf der Suche nach einer Vollzeit-Lehrkraft, die schon im Januar 2019 zu uns kommt und die pädagogische Leitung der Schule übernimmt. Mir ist bewusst, dass viele adventistische Schulen in Deutschland wie auch hier in Bolivien händeringend nach adventistischen Lehrern suchen, aber ich bin mir sicher, dass Gott irgendwo da draußen schon jemanden für unser Projekt vorbereitet hat – denn es ist ja Gottes Projekt! Und wir beten dafür, dass Gott denjenigen bewegt und ihn auch nach Bolivien ruft, so wie ER es auch mit uns getan hat.

Natürlich muss so eine Schule auch vom lokalen Kultusministerium genehmigt werden. Dazu waren wir vor einer Woche beim Erziehungsbeauftragten der bolivianischen Vereinigung. Er hat uns ein dickes Buch mit vielen Seiten gezeigt. „Das ist der Genehmigungsantrag für eine unserer Schulen!“, sagte er uns. Mir wurde schon ganz anders, denn das sah noch größer aus als eine Doktorarbeit! Aber er meinte, letztlich müssen wir eben unsere Bildungsphilosophie und unseren Lehrplan aufzeigen. Da wir unsere Schule hauptsächlich auf Deutsch durchführen wollen, können wir nicht die bolivianischen Schulbücher benutzen und brauchen dementsprechend deutsche Schulbücher. Deswegen können wir auch den Genehmigungsantrag der Vereinigung nicht genau so übernehmen, denn dann müssten wir auch ihre Schulbücher verwenden. Nun ja, das wird noch ein größeres Unterfangen ... Aber wir hoffen, dass wir dafür von dem neuen pädagogischen Zweig des Seminars Bogenhofen etwas inhaltliche Unterstützung bekommen.

Seit unserer Ankunft hier im Januar sind wir dabei, endlich unser Visum für Bolivien zu bekommen. Am Anfang warteten wir auf meinen Arbeitsvertrag, der nur vom Arbeitsministerium unterschrieben und abgestempelt werden sollte. Man sagte mir, es würde lediglich zwei bis drei Tage dauern. Ich habe ihn heute noch nicht wiederbekommen. Dann wurde uns gesagt, dass es auch mit einem notariellen Vertrag geht. Nach etlichen Papieren und einem Gesundheitscheck wurde uns dann mitgeteilt, dass unsere polizeilichen Führungszeugnisse durch das lange Warten um ein paar Tage abgelaufen seien. Sie sind hier nur drei Monate ab Ausstellung gültig. So mussten wir das ebenfalls wieder ganz von vorne beginnen. Manches Mal kam ich mir vor, als ob wir einen Schritt nach vorne und zwei wieder zurück gingen. Unsere Zeit wurde knapp, denn wir konnten unser Touristenvisum nur bis auf maximal 90 Tage verlängern. Wir beteten zu Gott, er möge uns hier endlich weiterbringen. Denn Wendy durfte mit ihrem Visum nur maximal 90 Tage in Bolivien bleiben und hätte dann wieder ein Jahr im Ausland auf die Wiedereinreise warten müssen. Das wäre eine echte Katastrophe gewesen! Die Bolivianer um uns herum schienen das alles gefühlt sehr locker zu nehmen. Wenn wir versuchten, unsere Papiere abzugeben, fehlte immer irgendetwas. Dann, am letzten Tag vor Ablauf der 90 Tage, konnten wir endlich alle Papiere abgeben und nichts fehlte mehr! Gott sei Dank! Wir haben nun eine einjährige Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Heute halten wir unseren bolivianischen Personalausweis und einen bolivianischen Führerschein in unseren Händen. Nur wir wissen, wie viele Nerven uns beide Dokumente gekostet haben. Aber jetzt sind wir froh, dass wir bleiben können. Gott möge die Zeit hier reichlich segnen!

So, nun bin ich in Santa Cruz angekommen. Heute habe ich hier einige Erledigungen zu machen und morgen möchte ich die mennonitischen Insassen im Gefängnis besuchen, die sich immer freuen, wenn ich komme. Ich möchte gerne mit einem Zitat von Ellen White schließen, das ich neulich gelesen habe und das mich sehr bewegt hat: „Jedem wahren Christen gewährt Gott Licht und Segen, und diese gibt der Gläubige an Andere weiter durch das Werk, das er für den Herrn tut. Wenn er von dem gibt, was er empfängt, wächst seine Kapazität, mehr zu empfangen. Es entsteht Raum für neue Gaben an Gnade und Wahrheit. Er bekommt klareres Licht und eine erweiterte Erkenntnis. Von diesem Geben und Nehmen hängt das Leben und Wachsen einer Gemeinde ab. Wer empfängt, aber niemals weitergibt, wird bald aufhören zu empfangen. Wenn die Wahrheit nicht von ihm an Andere weiterfließt, verliert er bald die Empfangsmöglichkeit. Wir müssen die Güter des Himmels austeilen, wenn wir neue Segnungen empfangen wollen.“ (EGW, Gottes Gaben verwalten, S. 38) „Das Bemühen um das Wohlergehen Anderer ist der Weg, auf dem man wahres Glück finden kann. Der Mensch handelt nicht gegen sein Eigeninteresse, wenn er Gott und seine Mitmenschen liebt. Je selbstloser sein Denken ist, umso glücklicher ist er, denn er erfüllt Gottes Plan für sein Leben.“ (EGW, Gottes Gaben verwalten, S. 27f) Dieses besondere Glück wünsche ich euch allen!

Seid alle ganz lieb gegrüßt aus den fernen Landen,

Marc, Wendy, Noah und Caleb

Gebetsanliegen:

  • Ein Hunger nach Gottes Wahrheit in den Mennonitenkolonien
  • Dass der Heilige Geist hier machtvoll durch uns wirkt
  • Dass unser Container mit all unseren Sachen gut durch den Zoll in Bolivien kommt
  • Dass Gott uns hilft, ein zuverlässiges und günstiges Allradfahrzeug zu finden
  • Eine Vollzeit-Lehrkraft ab Dezember/Januar 2019 für unsere Schule